GASTBEITRAG Träume sind die Sprache der Seele

Hi, ich bin Nadine Marchi und seit November 2019 Kinderbuchautorin. Mein Erstlingswerk „Tortü und der Traumkoffer“ ist die Erfüllung meines persönlichen Kindheitstraum. Vor zwei Jahren entstand in meinem Kopf die Geschichte der kleinen Schildkröte Tortü nach einem einschneidenden Erlebnis und ich fing an sie aufzuschreiben. Zunächst wollte ich nur für mich schreiben, aber es kam ganz anderes. Die Geschichte, die über Mut, Freundschaft und Selbstvertrauen erzählt, berührt viele Kinder und Erwachsene. Mir wurde bewusst, dass ich diese wertvolle Geschichte vielen Kindern vorlesen möchte. 

In meiner jahrelangen Tätigkeit als Erzieherin, die ich immer noch ausübe, begegnete ich Kindern, die wenig bzw. gar nicht hören können. Damit meine ich nicht die Kinder, mit denen man ständig diskutieren muss, dass Spielen und Aufräumen zusammengehören oder das Schlagen nicht zu den sozialen Fähigkeiten gehört. Ich meine die Kinder, die von Geburt an gehörlos oder hörgeschädigt sind. Manchmal trugen sie Hörgeräte oder ein CI Implantat. Manchmal mussten sie die Einrichtung verlassen, da keiner die Gebärdensprache von den Erzieherinnen beherrschte. 

Bei meiner Geschichte und meinen Lesungen wollte ich es anders machen. Ich wollte, dass ein Kind diese Geschichte verpasst und befasste mich mit der Thematik der Gebärdensprache. Gibt es Unterschiede bei einer Bilderbuchlesung? Lese ich nur hörgeschädigten Kindergruppen vor? Kann ich gleichzeitig vorlesen und gebärden? Fragen über Fragen schwirrten in meinem Kopf herum und ich fand Antworten auf meine Fragen. 

Man kann gleichzeitig vorlesen und gebärden. In meinem Fall ist es so, dass ich gerade den zweiten Gebärdensprachkurs besuche. Ich kann noch nicht flüssig gebärden. Die Deutsche Gebärdensprache, genannt DGS, muss genauso wie jede andere Fremdsprache gelernt werden. Die Vokabeln müssen geübt werden und der Satzbau in der DGS ist etwas anders. Mich persönlich erinnert es immer an den Klang von Joda bei Star Wars.  

Meine Lesungen werden von Maxine begleitet, die selber hörgeschädigt ist und ein CI Implantat trägt. Möglichst oft versuchen wir zusammen die Geschichte von Tortü zu erzählen. Sollte es mal nicht gelingen, da Maxine ja noch selber arbeitet, lese ich alleine vor. Dabei ist es mir wichtig, dass ich dennoch hörgeschädigte Familien die Möglichkeit biete teilzunehmen. In meiner Recherche habe ich gelernt, dass es so eine Art Mikrofone für die Kinder gibt, welche ein CI Implantat tragen. Dieses Mikrofon lässt sich koppeln mit mehreren Implantaten. Diese Mikrofone drosseln die Nebengeräusche der Umwelt und heben die Stimme, in diesem Fall meine, hervor. Stellt euch vor ihr habt ein Stethoskop vom Arzt in euren Ohren und unten hängt ein ganz normales Hörgerät dran. Plötzlich hört ihr Geräusche, die ihr vorher nur vage gehört habt oder gar nicht. Ich habe es ausprobiert und ich habe mir völlig reizüberflutet das Stethoskop schon nach paar Sekunden wieder herausgenommen. 

In meinen Lesungen biete ich immer an solch ein Mikrofon zu tragen. Die Familien bringen es gerne mit. Mich stört es bei der Vorlesung nicht und ich kann mit dem Kind bzw. Kindern besser kommunizieren. 

Wichtig ist noch zu erwähnen, dass ihr nicht mit dem Rücken zu einem Fenster stehen sollte. Die „fliegende Hände“ werden von den hörgeschädigten Kindern nicht gesehen, da sie in das helle Licht gucken müssen. Außerdem sieht man nicht die schönen Bilder der Geschichte. Es wäre zu schade, wenn man beides nicht sehen kann. 

In den Lesungen von Tortü erzähle ich allen Kindern, dass ich gebärde und vorlese. Gemeinsam üben wir die Gebärde der einzelnen Tiere. Hemmungen und Grenzen werden abgebaut. Schnell begreifen alle Kinder, dass Gebärden gar nicht schwer sind. Manche Kinder sind stolz, dass sie plötzlich eine „Geheimsprache“ können. Mir persönlich ist wichtig, dass viele Kinder Geschichten erfahren und somit in der Sprachentwicklung gefördert werden. Hier kommt mein Erzieherherz wieder durch. Die Sprache und dazu zähle ich auch die Gebärdensprache ist so wichtig für die kindliche Entwicklung.

Anfang Februar durfte ich an einer gehörlosen Schule mein Buch vorstellen. Wir unterhielten uns in Gebärdensprache, mit der Unterstützung eines Mikrofons und mit Händen und Füßen. Es waren sehr schöne Stunden, die mein Herz haben hüpfen lassen. 

Das war ein guter Anfang! 

Mein Traum ist durch die Gebärdensprache bereichert worden. Ich freue mich Euch auf einer meiner Lesungen zu treffen.

Eure Nadine mit „Tortü und der Traumkoffer“

www.nadinemarchi-autorin.de

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Danke Nadine für deine lieben Worte! 🙂 Ich bin selbst schwerhörig und finde es toll, wie du die Kinder begeistert mit der kleinen Tortü. <3