Prag – Die goldene Stadt der Türme – Teil 4

Prag – Die goldene Stadt der Türme – Teil 4

Prag war immer eine der Städte die mich magisch angezogen haben. Im Krieg nicht zerstört, eine unglaubliche geschichtliche Bedeutung und grandiose Architektur. Gegen 6 Uhr fuhr mein Zug von Berlin in die Hauptstadt der Tschechischen Republik.

Prag ist die historische Hauptstadt Böhmens (Ja von hier kommt auch das berühmte Glas) und war eine bedeutende königliche und kaiserliche Residenzstadt im Heiligen Römischen Reich, besonders unter den Luxemburgern und Habsburgern.

Und ich wurde erstmal mit schlechtesten Wetter empfangen. Regen, dunkel, nass. Und es war zum erbrechen voll. Aber egal, ich war da. In der goldenen Stadt des Jugendstils. Direkt vorweg die guten Fotos gibts etwas weiter unten, an Tag 2. weil ab da war schönes Wetter. 🙂 Aber fangen wir bei der Ankunft an.  Nachdem ich mein Gepäck in meinen tollen BnB geparkt hatte, ging ich in die Innenstadt.

Ich weiß nicht so recht, was ich mir erhoffet hatte, jedenfalls nicht dieses Bild. Die malerischen Gassen quillten nur so über von Touristen. Entweder war ich zur falschen Zeit in Prag, oder es war einfach immer total überlaufen. Anders gesagt, wenn Ihr nach Prag wollt, dann stellt euch auf Massentourismus ein.

Böhmische Königswege

Ich irrte etwas fassungslos durch die überfüllten Gassen und suchte nach einer ruhigen Ecke, um die Stadt wirklich zu genießen. In einer atemlosen Stadt wie Prag aber kaum möglich. So lies ich mich von den Massen treiben und besuchte erstmal die Karlsbrücke mit den berühmten Brückenturm (auf den man übrigens hinauf kann). Die Brücke wurde im 14. Jahrhundert errichtete und verbindet die Altstadt mit der Kleinseite. Sie ist eine der ältesten Steinbrücken Europas und führt über die Moldau. Statt der böhmischen Könige, drängelten sich nun Touristen über die Moldau zum Schloss. Da das Wetter nicht so doll war, beschloss ich morgen den Krönungsweg entlang zu laufen.

Das Gemeindehaus

Wahrscheinlich ist das Gemeindehaus ehr nicht das Erste, dass man in einer fremden Stadt aufsucht. Aber hier lohnt es sich. Versprochen. 😉 . Dieses Jugendstiljuwel in Prag ist absolut fantastisch und bis in kleinste Detail erhalten. Es waren in den Jahren 1905 bis 1911 viele bekannte Architekten und Künstler,wie Alphonse Mucha an dem Gesamtkunstwerk beteiligt, dass auf dem Gelände einer ehemaligen Kassenre erbaut wurde. Im Obecní dům kann man in 3 Restaurants essen, der Oper lauschen oder ein der American Bar einen Cocktail trinken. Um zu dem Konzertsaal zu gelangen muss man leider tief in die Tasche greifen, aber ein Großteil des Gebäudes ist frei zugänglich.

Zwischendurch verirrte ich mich bei strömenden Regen in das Mucha Museum, das ich im übrigen nicht empfehlen kann. Es ist voll, total kommerziell und kaum interessant. Als großer Fan und Verehrer des Plakatmalers und Künstlers des Jugendstils war ich enttäuscht, da ich hoffte der slawische Epos seih hier zu finden, leider versteckt sich dieser in der Prager Nationalgalerie.

Daher lies ich mich den Rest des Tages einfach von der Masse mitziehen. Ich fand ein sehr pompöses Spielzeuggeschäft, das Harmleys. Das kam mir bekannt vor. Und ja, ich kannte es aus London. Es ist eine britische Kette. Weniger Interessierte mich das Spielzeug. Viel mehr das alte Gebäude, ein altes Bankgebäude in dem es untergebracht war. Überall sah man die Reste der glorreichen 30er Jahre, im Glanze des Art Decos.

Ich befand mich auf der berühmtesten Fußgängerzone Prags, dem Na Příkopě (Am Graben). Wahrscheinlich für Shoppingfans ein wahrer Traum. Später steht man auf dem Wenzelplatz, auch das goldene Kreuz genannt. Ich denke hier gibts alles was das Herz begehrt und zudem einen Blick auf die Nationalgalerie. Aktuell wird diese saniert.

Zudem findet man hier das Jugendstilhotel GRAND HOTEL EVROPA und MERAN HOTEL. Beides ist aktuell geschlossen. Ich hätte nur zu gerne mal Mäuschen gespielt. Um die Ecke ist noch eine kleine 60er Jahre Einkaufsgasse. Die Bleiverglasung mit Logo als Werbung für Tesla Radio ist in der Prager Světozor-Passage schon von weiten gut zu erkennen. Ursprünglich gehörte TESLA Phillips. Im Jahre 1946  wurden unter anderem in den Bereichen Funk- und Radartechnik vorrangig den Ostblock belieferte.

Heute war ich einfach nur KO und fiel wenig später Müde ins Bett.

Auf der anderen Seite der Moldau

Der nächste Tag sah vielversprechend aus. Blauer Himmel, etwas Sonne, perfekt um über die Karlsbrücke auf die  Prager Kleinseite zu laufen. Ich bin dann mit der Metro in die City. Da es noch sehr früh am Morgen war, hielten sich die Menschenmassen in Grenzen. 🙂

Prager Kleinseite

Über die wunderschöne Brücke ging es direkt in zur Kleinseite. Von 1257 bis 1784 war sie eine eigenständige Stadt unterhalb der Prager Burg. Die Kleinseite hat einen abweichenden Charakter im Gegensatz zur Prager Altstadt deutlich. Nach zwei verheerenden Bränden  war die Kleinseite hauptsächlich von Reichen und dem Adels bevölkert, wovon die prunkvolle Paläste und Kirchen bis heute zeugen.

Sicht vom Brückenturm

Am allerliebsten klettere ich auf Erhöhungen, von denen mal super fotografieren kann. 🙂 Der Brückenturm bot sich für schöne Fotos aus dem Herzen Prags an. Von hier aus konnte man vom Dach über die Stadt blicken. Total schön! Die Sicht war super und von hier aus wird einen auch die Bedeutung der „goldenen Stadt“ klar.

Nach einer kleinen Stärkung in einem sehr netten Café ging es hinauf zur Prager Burg. Für Ungeübte, kann ich auch eine anliegende Metrostation empfehlen, wer keine Lust hat, den Hradčany selbst zu erklimmen. 🙂 Aber ich konnte es kaum abwarten die Ansicht von allen möglichen Punkten zu genießen. Oben angekommen, wusste ich wohin all die Menschen waren, ausrechtet hier. Über den Ehrenhof gelangt man auf das königliche Gelände. Ein Ticket für die ganze Burg kostet ca. 24€ und nur der Hofgarten ist kostenlos. Ach ja, Fotos kosten auch überall Geld. Ca. 5€ für einen Fotopass. Die Prager Burg bildet das größte geschlossene Burgareal der Welt.

Der Hauptgrund warum ich hier war ist der Veitsdom. Hier hat Alphonse Mucha ein Kirchenfenster gestaltet. Das sollte man das auf keinen Fall verpassen. 😉 Das Fenster ist umwerfend, wie der Rest des gotischen Doms. Es ist das größte Kirchengebäude Tschechiens. Der Dom wurde unter Karl IV. ab 1344  nach Vorbild der französischen Königskathedralen errichtet. Zudem liegen hier zahlreiche  König von Böhmen und Kaiser begraben.

Von Burgen und Klöstern

Ich war in einen der ältesten Teile in der Prager Burg, dem alten Königspalast (Starý královský palác). Die Vladislav Hall könnte auch aus einem Harry Potter Film stammen und wurde ca. 1487–1500 von König Vladislav Jagiello erbaut. Der im gotischen Stil errichtete Saal mit einer Länge von 60 m, Breite 20 m und Höhe von 15 m aussergewöhnlich groß, für einen Saal seiner Zeit.  Eine architektonische Besonderheit des Saales sind die fehlenden Pfeiler, der Saal hat nur ein Stützgewölbe. Hier wurden nicht nur Feste, Krönungen und Versammlungen gehalten, sondern aufgrund seiner Größe, waren sogar Rittertuniere möglich. Es gab dafür extra einen Reiteraufgang.

Hier findet sich auch der alte Thronsaal.

Neben dem Veitsdom gibt es noch weitere Kapellen und Kirchen in der Burganlage. Eine davon ist das ehemalige Kloster St. Georg mit der zugehörigen Basilika. Diese wurde vor dem Jahr 921 als drittälteste Kirche im Stil der Romanik erbaut. Wie in der Romanik üblich, hatte die Kirche auch eine Flachdecke aus Holz. Durch Brände wurde das Kloster  Nach langwierigen Reparaturen kam die Kirche zu ihrer heutige markanten Renaissance-Gestalt.

Auf der Suche nach dem Stein der Weisen

Es gibt eine kleine Gasse auf der Burg, mit winzigen Häussern. Sogar Franz Kafka hat hier mal gewohnt, in Haus Nummer 22. 🙂  Das sogannte Goldenes Gässchen. Früher nannte man es auch Alchimistengasse oder Goldmachergässchen. Die Bezeichnung stammt noch aus der Zeit,  als die dort lebenden Alchemisten versuchten, den Stein der Weisen, sowie Gold, herzustellen. Der Stein der Weisen besitzt angeblich die Macht, unedles Metal in Gold verwandeln, ausserdem wird ihm nachgesagt, dass er auch aussergewöhnliche Heilkräfte besitzt.

Die elf kleinen Häuser stammen aus dem 16. Jahrhundert und wurden ursprünglich als Unterkünfte für die Burgwachen gebaut, alle Häuser sind deswegen miteinander durch einen Gang verbunden. Heute sind in den Häusern leider Souvenierläden untergebracht.

Neben der Gasse ist noch ein Pulvertrum, in dem unten ein Folterkeller untergebracht ist. Danach ging ich gemütlich wieder die Burg hinunter und in einem ausgewählten leckeren Restaurant was essen.

Mein absolutes Highlight war allerdings was ganz verstecktes, das ich nur durch Zufall entdeckt habe. Den Vrtba Garten. In Prag gibt es viele wunderschöne barocke Gärten mit Vogelvoliere, die sich die Adeligen auf der Kleinseite errichtet haben. Der Vrtba Garten ist einer der bedeutendsten Barockgärten in Prag und in Europa nördlich der Alpen. Ich bin durch ein Schild da hineingestolpert. Der Eintritt liegt bei ca. 3€.

Durch eine Einfahrt betritt man den unglaublichen Garten. Es ist eine Pracht aus Blumen, Farben, Staturen von Matthias Bernhard Braun und Wasserspielen. Der Garten wurde in den ehemaligen Weinbergen des Palais geschaffen und  in den Jahren 1990–1998 aufwendig von der Stadt Prag renoviert. Man kann hier übrigens heiraten. Der Garten ist  terrassenförmig am Hang des Petrín angelegten und von hier aus  hat man eine tolle Aussicht auf die Malá Strana und die Kleinstadt.

Es gibt viele prachtvolle Kirchen auf der Kleinseite, die auch von dem Geld der Adeligen verziert wurden. Die besonders schönen, wie Beispielsweise die St.-Nikolaus-Kirche  kosten auch alle Eintritt. Die St.-Nikolaus-Kirche ist eine prachtvolle Barockkirche, die ihr links im Bild sehen könnt. Meine Fotos stammen aus der ehr schlichten Maria vom Siege und kann kostenlos besichtig werden.

Ganz in der Nähe vom Garten befindet sich ca.10 Minuten zu Fuß entfernt die bekannte John-Lennon-Mauer. Früher war es ganz gewöhnliche Wand. Allerdings seit den 1980er Jahren wird sie von John Lennon inspirierten Graffiti und Teilen von Beatles-Liedtexten bemalt. Ständig wird die Wand neu bemalt und das original Porträt von John Lennons ist längst unter mehreren Schichten neuer Farbe verschwunden. Die Straße runter, befindet sich natürlich auch ein John- Lennon-Pub. 😉

Im Garten Eden

Ein paar Minuten von der berühmten Mauer befindert sich der Garten von Palais Waldstein. Dieser wurde in den Jahren 1623–1630 im Auftrag von Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, im Stil des frühen böhmischen Barocks erbaut. Der Garten ist sehr unscheinbar und nur wenn man gezielt hingeht, findet man diesen. Er war fantastisch, es gab ein riesiges Vogelvoliere mit Eulen, das in der Art einer Felsgrotte gestaltet war. Graue so eine Art Topfsteine verschönerten die Wände.

Gegen Abend überquerte ich Brücke gegenüber von der Karlsbrücke und setzte mich raus in das Biermuseum , das direkt an der Moldau liegt. In Prag gibt es verdammt leckeres Bier, extrem günstig, also genoß ich ein Craftbeer und beobachte die unter gehende Sonne. Ich warte auf die blaue Stunde, um von der Karlsbrücke aus, die Prager Burg zu fotografieren, deren Licht sich in der Moldau spiegelt. Der Abend war perfekt, das Licht grandios und ich hielt einige atemberaubende Himmel und Moment fest, bevor ich irgendwann gegen 22 Uhr im Bett lag.

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