documenta14 – Auf nach Kassel

documenta14 – Auf nach Kassel

Wenn man Kassel hört, denkt man wahrscheinlich zuerst an die documenta und natürlich an das Herkulesmonument im Park Willhelmshöhe. Aber Kassel hat viele schöne Ecken.

Kassel ist die einzige Großstadt Nordhessens und ist nach Frankfurt am Main und Wiesbaden die drittgrößte Stadt in Hessen. Und ja, tatsächlich liegt Kassel in Hessen. Ab 1277 war Kassel Hauptstadt der Landgrafschaft Hessen. Bis heute zeugen grandiose Residenzen und  wunderschöne (barock) Schlösser davon, darunter insbesondere die Orangerie und das Schloss Wilhelmshöhe.

Mit der alle fünf Jahre wiederkehrenden documenta beherbergt die Stadt eine weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst.

Nachkriegsarchitektur und Moderne

Aufgrund der Waffenindustrie (Henschel & Sohn), würde die Stadt im zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Dementsprechend ist dort die vorrangige Architektur aus der Nachkriegszeit, die das Stadtbild prägt.

Aufgrund der tollen Wetterlage (Regen, juhu :D), rettete ich mich erstmal in die Markthallen von Kassel. Über 70 Marktbeschicker, aus allen Teilen Nordhessens, Südniedersachsens, Thüringens und Ostwestfalens, locken mehrmals wöchentlich,  mit einem großen Angebot an örtlichen Lebensmitteln. Der Marstall wurde auf Anordnung von Landgraf Wilhelm IV, in den Jahren 1591-1593 im Stile der Weserrenaissance, erbaut. Und im zweiten Weltkrieg vollständig zerstört und dann wieder aufgebaut.

Nachdem sich das Wetter beruhig hatte, fand ich mich auf dem Friedrichsplatz, wo eines der Hauptwerke „Das Parthenon der Bücher“ neben dem Fridericianum aufgebaut ist, wieder. Dieser riesige Tempel ist wirklich beeindruckend und besteht nur aus Bücher, die in unterschiedlichen Ländern verboten sind bzw. waren. Bekannte Werke der Gebrüder Grimm, Der kleine Prinz, Twilight und Harry Potter schafften es auf die Liste. Über 50.000 Bücher verzieren diesen Tempel gegen die Zensur.

Besonders neugierig war ich auf das Grimm Museum. Immerhin befand ich mich im Land der Märchen der Gebrüder Grimm. Das Museum ist super modern und sehr einmalig gestaltet. Hier erlebt man durch sprechende Bäume und tolle Licht – und Videoinstallationen, das Leben und die Werk der Märchenerzähler. Vom Dach des Museums, kann man einen ersten Blick über Kassel erhaschen.

Früher stand auf dem Weinberg die Villa des industriellen Henschel, die er noch zu seinen Lebzeiten abreisen lies.

Barocke Gärten und im Märchenwald der Gebrüder Grimm

Die Orangerie  in der Nähe des ehemaligen Stadtschlosses wurde unter Landgraf Karl, zwischen 1703 und 1711 erbaut. Seitdem bildet sie den nördlichen Anfang der Karlsaue und hier findet jährlich der sogenannte Zissel statt. Leider wurde das Schloss schon Ende des 19. Jahrhundert durch Instandsetzungen verändert und nach dem zweiten Weltkrieg war von der inneren Pracht alles verloren. Heute befindet sich hier natürlich die documenta und des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts mit darin integriertem Planetarium.

Direkt daneben befand sich das Volksfest Zissel. Er wird als Das große nordhessische Heimat- und Wasserfest bezeichnet und findet seit 1926 jährlich statt. Möglicherweise stammt „zisseln“ aus dem Plattdeutschen und bedeutet etwa: Geld verzisseln zum Fröhlich- und Lustigsein, so dass der Begriff Zissel für feierliche Aktivitäten und Lebensfreude steht.

Documenta 14

Das eigentlich tolle, steht nicht im Museum, sondern ausserhalb. Da hätten wir neben dem Büchertempel, die Installation von dem irakischen Künstler Hiwa K. Dieser hat Rohre, mithilfe von Studenten, so ausgebaut, als würden lebten Menschen darin leben.

Zudem gehört die Mühle des Blutes zu den am meisten fotografierten Kunstwerken auf der Documenta. Hier kann der Besucher Münzen prägen, durch reine Muskelkraft.

Zum Abend hin lauschte ich noch einigen Straßenmusikern, die im Park spielten. Ganz oben auf dem Parkplatz auf dem Kaufhof, gibt es eine kostenlos Möglichkeit über den ganzen Friedrichsplatz zu schauen. Wenn man möchte, kann man in der kleinen Floor14 Sky-Lounge, eine Limo oder einen alkoholische Getränk genießen und die untergehe Sonne beobachten.

Im Glanz des Herkules

Eigentlich war der Tag heute vorbei. Eigentlich. Aber spontan wie man ist, ging es noch um 21 Uhr zu den beleuchteten Wasserspielen in den Bergpark Willhemshöhe, wo der berühmte Herkules steht. Der Park mit den Monument ist mittlerweile auch UNESCO Weltkulturerbe.

Am einfachsten ist es, wenn man Ende des Parks parkt und dann mit dem Bus 23 hochfährt. Da hochlaufen für Ungeübte nicht gerade unanstrengend ist.

Oben angekommen ist man erstmal total begeistert. Der Blick auf die Stadt ist fantastisch. Die Wasserspiele finden nur 4 mal im Jahr beleuchtet statt. Die Menschenmassen quetschten sich zu Tausenden von der nördlichen Grotte der Vexierwassergrotte ostwärts über die Kaskaden. Es ist scheinbar auch für Einwohner ein großes Spektakel.

Der Herkules ist eine Kupferstatue des griechischen Halbgottes Herakles im Bergpark Wilhelmshöhe. Die Statue, die als ein Wahrzeichen der Stadt Kassel gilt, befindet sich an der Spitze einer Pyramide, die auf dem Oktogon steht. Heute steht der Name „Herkules“ nicht nur für das Standbild, sondern das gesamte Bauwerk, das auch den Ausgangspunkt der sommerlichen Wasserspiele im Bergpark bildet.

Entstanden ist der schlossartige Herkules in den Jahren 1701 bis 1717 nach Entwürfen des Italieners Giovanni Francesco Guerniero. Das Wasser fließt ohne technische Pumpen, sondern nur durch physikalischen Gesetze den Berg hinab und endet in einer 20 Meter hohen Großen Fontäne, die mit tosendem Beifall von den Kasselern begrüßt wurde.

Die Fotos sind alle mit dem Stativ entstanden. 🙂 Das sollte man dafür unbedingt mitnehmen.

Im Garten Eden - Der Bergpark Willhelmshöhe

Ursprünglich war heute der Tag komplett für die documenta geplant. Leider fand ich den Bergpark so schön, dass ich auf die Museen verzichtet habe.

Also wieder hoch zum Herkules. Heute konnte ich dann auch endlich die Aussicht bei Tag auf Kassel genießen. Die Parkgebühren liegen übrigens bei 7€ pro Fahrzeug. Allerdings enthält das Ticket die Runterfahrt mit der Buslinie 23 und auch einen vergünstigten Eintritt, wenn man die Bauwerke im Park besuchen möchte. Das Geld kommt der Parkerhaltung, die viele Millionen verschlingt, zu Gute.

Der Aufstieg in den Oktogon ist eine kleine Mutprobe, für alle, die nicht gerade Schwindelfrei sind. Wenn man oben ist, befindet man sich auf  596m Höhe. 

Die Anlage steht als Musterbeispiel für die absolutistischer Architektur. Das achteckige Bauwerk wurde als offenes, unverglastes Riesenschloss erbaut, wobei seine dreistöckige Bauweise, aufsteigend von naturhaft übereinander aufgerichtetem Felsgestein, als tragendes Fundament-Bauwerk, in geometrisch angeordnete Architektur übergeht. Heute ist das Oktogon verglast, auch um das Bauwerk besser vor der Witterung zu schützen.

Die Herkulesaufgabe

Seit über 12 Jahren wird der gesamte Park sehr aufwendig restauriert. Man kam bei der Erbauung des Wasserpark auf die Idee, sogenannten Tuffstein zu verwenden. Der sieht zwar schön aus, aber ist alles andere als Wetter beständig. Daher bröckelt ständig alles auseinander.  Die ungeschönte Wahrheit sehr ihr unten. Es ist kaum was zu begehen.

Allerdings sollte das niemanden abhalten dort hin zu fahren. Der Park ist absolut sehenswert und mit den Einnahmen wird der Park weiterhin restauriert. In 2-3 Jahren soll der Herkules entrüstet sein. 🙂

Nachdem ich gestern schon runter gelaufen war, dachte ich mir, ich laufe heute mal hoch. Mit dem Bus ging es runter und vom dem Besucherzentrum ging es den langen Weg hoch, zu dem ca. 6 Kilometer entfernenden Herkules.

Zuerst läuft man auf Schloss Wilhelmshöhe zu. Das von 1786 bis 1798 im Stil des Klassizismus gestaltete Schloss wurde für Landgraf Wilhelm IX. errichtet und wird heute als Museum genutzt. Besonders sehenswert ist der Weißensteinflügel des Schlosses. Hier befinden sich erhaltende historische Räumlichkeiten mit schmucken Empire-Mobiliar.

Die Löwenburg

Die Löwenburg wollte ich unbedingt noch sehen. Das Lustschloss wurde im Jahre ab 1793 erbaut und ist im Stil einer Mittelalterlichen Burg(Ruine) gehalten.

Tatsächlich sind die meisten Beschädigungen mit vollster Absicht so hergerichtet. Der Bauherrn Landgraf Wilhelm IX. von Hessen Kassel war ein großer Liebhaber des Mittelalters  und die Ruine war sein privater Rückzugsort und ist zugleich seine Grabstätte.

Das gesamte Schloss ist in einem extrem schlechten Zustand. Daher ist es fast vollständig eingerüstet und wird sehr aufwendig restauriert. Sogar der zerstörte Bergfried wird wieder aufgebaut.

Daher gab es nur zwei zugängliche Räumlichkeiten: Den Rittersaal, eine Ansammlung von Ritterrüstungen aus dem 15. und 16. Jahrhundert und die Kapelle. Der Landgraf war übrigens nicht gläubig, er fand, dass dies zu einer Burg dazu gehörte. Genutzt wurde diese nie für religiöse Zwecke. Die Fenster sind unvollständig und liegen im Original vor, die im Laufe der Rekonstruktion wieder eingesetzt werden.

Der Park der Träume

Viele Genrationen von Grafen und Fürsten setzen im Park ihren eigene Fingerabdruck auf und erweiterten diesen Stück für Stück, mit neuen Konstruktionen und Bauwerken. Der Park ist wirklich absolut märchenhaft und einmalig. Weltweit gibt es keine ähnliche Anlage.

Besonders sehenswert sind die Teufelsbrücke, die unzähligen Staffagebauten, die Gewächshäuser, der Ballsaal, der ehemalige Marstall … ach es gibt so unglaublich viel zu sehen, dass man hier locker einen ganzen Tag verbringen kann, um alles zu erkunden.

Selbst wenn man die documenta nur besuchen möchte, empfehle ich diesen unglaublichen Park zu besuchen. Kassel ist eine wahnsinnig schöne grüne Stadt mit vielen netten Menschen und vielen Sehenswürdigkeiten.

Ich bedanke mich fürs lesen und bis bald. 🙂

Wie immer weise ich daruf hin, das die Fotos von mir sind und nicht ohne schriftliche Genehmigung genutzt werden dürfen.

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